Anleitung zur Bewertung eines Menschen

Wie gut sind sie?

Und ich möchte, dass sie ehrlich sind.

Oder sie suchen sich eine ehrliche Person, die diese Frage für sie beantworten kann.

Aber Achtung! Ich meine nicht das moralische „Gut“ im Sinne von Gut und Böse – obwohl ihre Position in diesem Bereich durchaus mit einfließen könnte. Nein, ich meine eine Einschätzung ihrer Qualität als menschliches Subjekt. Soll heißen, ich will „gut“ verstehen als Bewertung von ihnen in ihrer Gesamtheit.
Wie ein Kopfhörer, der nach schon kurzem Tragen an den Ohren weh tut schlecht ist, und einer, über dessen fetten Bass man verblüfft ist, eben gut. Wie der Rotwein, den man für 8€ von ganz oben aus dem Regal in den Einkaufswagen legt, und über den man sich nach dem ersten Schluck nickend ansieht und meint: „Ja, der ist wirklich gut!“. Oder ein Kinofilm, nach dem das Schweigen nach dem Verlassen des Kinosaals durch den Ausspruch gebrochen wird: „Also den fand ich richtig gut!“. Eine bewertende Zusammenfassung von ihnen auf einer übersichtlichen Skala. Damit sie sich dann bei Bedarf mit einem werten und ebenfalls bewerteten Mitmenschen vergleichen können.
Natürlich ist so eine Evaluation sehr komplex. Deshalb gebe ich Ihnen mit den folgenden Zeilen eine Anleitung an die Hand, anhand derer sie in Zukunft jeden beliebigen Menschen – auch sich selbst – bewerten können.

Ausschluss einiger Kriterien

In höchstem Grad entscheidend bei einer solchen Beurteilung ist natürlich ihre objektive Fairness. Ohne eine faire, gleiche Behandlung aller potentiell zu bewertenden Menschen hätte das Ergebnis keinerlei Gültigkeit. Deswegen müssen einige Kriterien aus der Bewertung ausgeschlossen werden, die in keinem Fall fair sein können.

1. Das Äußere

Natürlich muss im ersten Schritt die Genetik außen vorgelassen werden. Niemand hat einen Einfluss darauf, wie groß oder klein, schön oder hässlich, braun- oder blauäugig er geboren wird. Wir wollen unseren Blick auf seine Qualität als Mensch dadurch nicht trüben lassen.

2. Die Intelligenz

Weiterhin wird kein Mensch absichtlich dumm oder schlau geboren. Dieses Kriterium kann deshalb nicht zu seiner Evaluation herangezogen werden.

3. Die Herkunft

Weder Errungenschaften des Vaters, noch der Mutter oder anderer Vorfahren dürfen zur Bewertung eines Menschen geltend gemacht werden. Im Besonderen nicht der Geburtsort, wegen dem einige versuchen, sich eine höhere Qualität zuzuschreiben. Dies widerspricht natürlich der Fairness und ist nicht mehr als eine geistige Verwirrung.

4. Die Erziehung

Erziehung liegt ebenso wie die Herkunft außerhalb der Macht eines Menschen und muss als Kriterium für dessen Evaluation deshalb natürlich ausgeschlossen werden. Stellen sie sich beispielsweise vor, sie wären zeitgleich mit ihrer realen Geburt auch in eine Großfamilie in Ecuador geboren worden. Außerdem als einziges Kind eines spät verheirateten Ehepaars in Norwegen und als zweiter Sohn einer alleinerziehenden Mutter in Berlin-Neukölln. Nun schließen sie einfach alle sich aus diesen Umständen ergebenden Unterschiede aus.

5. Anderweitige Prägung

Niemand kann und soll verantwortlich gemacht werden für unter- oder unbewusste Prägung durch Freunde, Mitschüler, Bekannte, Fremde. Auch hierfür können sie sich des Szenarios aus Punkt 5 bedienen.

6. Zufall

Glück und Pech sind feste Bestandteile des Lebens, aber die Würfel fallen nicht für jeden gleich. Produkte des Zufalls in die Bewertung der Qualität eines Menschen einfließen zu lassen würde unserem Anspruch an Fairness nicht gerecht werden.

Abschließende Evaluation

Nun wägen sie alle übrigen Kriterien ab und bewerten sich oder den Menschen ihrer Wahl auf einer Skala von 0 bis 100. Dabei bilden sie ihr Urteil um den Mittelwert von 50, der bei der Qualität von Ryan Gosling liegt. Eine Skala von 0 bis 5 Sternen oder von 1 bis 10 wäre bei einem so komplexem Thema natürlich viel zu banal.

Schreiben sie ihr eigenes Ergebnis doch in die Kommentare!

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. flausn sagt:

    35

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    1. Simon sagt:

      Ich glaube, da hat sich ein Fehlerteufel in der Rechnung eingeschlichen

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  2. Janni sagt:

    Meiner Meinung nach werden wir durch zwei Dinge determiniert: Gene und Umwelt. Da du schon selbst festgestellt hast, dass wir beides nicht kontrollieren können und deshalb niemanden anhand dieser Kriterien bewerten können, bleibt leider nichts mehr übrig. Eigentlich kann niemand für sein „Gut“ und sein „Schlecht“ selbst verantwortlich gemacht werden und deshalb auch nicht als „Gut“ oder „Schlecht“ bewertet werden.
    Wie ist „Gut“ und „Schlecht“ überhaupt definiert? Ist ja von Kultur zu Kultur auch anders, und jeder meint die richtige Vorstellung von „Gut“ und „Schlecht“ zu haben. Eine sehr schwammige Frage, die du uns da stellst…
    Mein Fazit also: Eine solide 40.

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    1. Simon sagt:

      Die Frage ist: Sind wir an einem gewissen Punkt nicht gezwungen, so eine Bewertung durchzuführen? Wenn nicht objektiv, dann zumindest für uns selbst?

      Und auch wenn wir determiniert sind, bleibt nach Ausschluss der genannten Kriterien schon noch etwas übrig glaube ich. In welchem Maß ein Mensch fähig ist zu reflektieren. Wie er mit den ihn gegebenen Umständen umgeht.

      Die Menschen, die uns am meisten faszinieren sind die, die aus dem wenigstens das meiste machen. Wie ich finde zurecht!

      Dein Kommentar war jedenfalls sehr interessant, deswegen hebe ich deinen Wert gerne auf 43.

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  3. petra dorr sagt:

    Sollte, darf, muss ein Mensch bewertet werden? Gibt es Werkzeuge zur Bewertung eines Menschen (Tests, Fragebögen, …)? Wenn auf einer Skala von 1-100 Flausen die 35, Janni eine 43 und Ryan Gosling einen Mittelwert um die 50 erreicht, ist es einem Menschen überhaupt möglich die 100 zu erreichen? Und wer könnte das dann sein: Mutter Theresa, Mahatma Gandhi, Steven Hawking? Wenn ich die Ausschlusskriterien berücksichtige, was bleibt? Ich würde sagen: Taten und Worte – und diese wiederum sind ja doch in hohem Maße abhängig von Intelligenz, Erziehung und dem sozialen Umfeld…
    Rein intuitiv: eine 50 muss drin sein!

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    1. Simon sagt:

      Was vielleicht die Frage ist, die man sich stellen sollte: Tue ich es? Bewerte ich? Und falls ja, wann?
      Und man sollte weder bei dem was man von sich selbst glaubt, noch bei dem was man bewusst denk aufhören nachzuforschen.

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