Wochenendausflug á la Simon

am

Zur Abwechslung gibt es heute eine Geschichte.

Yannik, mein Mitbewohner, war am vorherigen Wochenende in Tiruvannamalai. Er kam zurück und meinte, ich müsse unbedingt auch auf einen Berg in der Nähe dort wandern. Also bin ich Samstags morgens kurzerhand los. Mein Plan in seiner grandiosen Vollständigkeit: Ich werde also auch auf diesen Berg wandern.

Mit dem Bussystem und mir ist das hier schon eine ziemlich runde Sache geworden. Ich sehe am Bahnhof ein Schild mit புதுச்சேரி und einem Pfeil, da weiß ich sofort, dass dies der Bus ist, der mich ganz sicher nicht dahin bringt, wo ich hinwill. Ich gehe noch ein bisschen weiter, erkenne den Schriftzug திருவண்ணாமலை und setze mich in den Bus nach Tiruvannamalai. Knapp 5 Stunden später bin ich auch schon da.

Die Tempel

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Das Stadtbild von Tiruvannamalai

 

Weil es schon zu spät ist, die Wanderung noch heute anzutreten, gehe ich zu Fuß zur örtlichen Tempelanlage, lege meine Birkenstocks ab und stelle mich an. Nach kurzer Wartezeit komme ich an die Sicherheitskontrolle. Die Kontrolleurin schaut erst mit skeptischen Blick in meine Tasche, dann in mein Gesicht. Sie kramt etwas in der Tasche, fragt mich dann: „Shoes?“. Ich schüttle den Kopf. Dann darf ich rein.

Eine Gruppe einheitlich gekleideter und eindrucksvoll bemalter Männer steht neben einem der Tempel. Ich schaue verstohlen zu ihnen hinüber, sie verstohlen zu mir. Dann kommt einer davon auf mich zu. Meine Gedanken rasen. Habe ich etwas falsch gemacht? Eine Grenze dieses heiligen Orts übertreten, gerade, wo ich nicht dem Hinduismus angehöre? Da steht er schon vor mir. Ich erkenne jetzt, dass er ein Mobiltelefon in der Hand hat.

„Can we take one selfie, please?“

Dann gibt es eine Runde Selfies: Gruppenselfies, Einzelselfies, ein Selfie für dich, eins für mich. Ja, wir fanden uns gegenseitig schon ganz schön interessant. Ich denke auch, dass es in dem Fall ok ist, das entstandene Bild online zu stellen. Es waren tatsächlich Priester, und die Außendarstellung war klar Teil ihrer Aufgabe.

Tiruvannamalai Tempel
Gutes Englisch, weiße Farbe auf der Brust und ein Samsung Galaxy in der Bauchtasche

 

Dann sehe ich zwischen den Säulen auf einmal einen Elefanten. Er hat einen kleinen Sandkasten, auf dem er steht, und berührt Menschen mit dem Rüssel oben am Kopf. Neben ihm ein Priester mit einem langem Stab in der Hand. Ich zögere ein bisschen und stelle mich dann vor ihn. Er tritt einen kleinen Schritt vor, führt seinen Rüssel an meiner linken Körperseite entlang nach oben, tippt mir auf den Kopf und führt den Rüssel an der gleichen Seite wieder nach unten. Ein beeindruckendes Erlebnis.

Die Wanderung

Am nächsten Tag bin ich früh los nach Kadaladi, und nach nochmals einer Stunde Busfahrt befinde ich mich in einem kleinen indischen Dorf.

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In dem Haus, an dem mein Rucksack lehnt, gab es Frühstück für mich

 

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Bitte im Hintergrund den höchsten Bergzipfel beachten, da bin ich rauf.

 

Mit ständigem Rumfragen bin ich dann irgendwann auch so weit gekommen, dass aufgemalte weiße Pfeile auf Steinen unmissverständlich die Richtung vorgaben. Der Weg begann sportlich, steigerte seinen Schwierigkeitsgrad beständig und endete in einem fast senkrechten Aufstieg über eine Treppe. Nach einer viertel Stunde war ich schon vollkommen vom Schweiß durchnässt und hinterfragte ernsthaft, warum ich eigentlich den vollen Rucksack mit meinem Wochenendgepäck auf dem Rücken hatte. Stoisch stiefelte ich über den Steinweg weiter den Berg hinauf. Naja stiefeln stimmt nicht ganz, die Birkenstock waren ja meine Wanderschuhe. Irgendwann auf Händen und Füßen oben angekommen, galt es die Schuhe ganz abzulegen und dem Gott Shiva, mit dem der Berg mythologisch verwoben ist, seinen Tribut zu zollen. Danach zollte ich mir und meiner Wanderleistung mit einem Gipfel-Selfie Tribut.

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Gipfel-Selfie mit Instagram Filter

 

Beim Rückweg hielt ich konzentriert Ausschau nach der Stelle, an der ich meine Birkenstocks abgelegt hatte. Nach dem Treppenabsteig fiel mir dann auf, dass ich schon an der Stelle vorbei war. Also Treppe wieder hoch. Oben angekommen angestrengtes Nachdenken. Nein, hier oben habe die Schuhe schon nicht mehr angehabt. Treppe runter. Vielleicht doch noch weiter oben? Oder weiter unten?

Natürlich stehen die Birkenstock noch heute irgendwo auf diesem Berg Südindiens und ich bin den Steinweg runter und bis nach Chennai barfuß. Klassisch.

Irgendwann erreiche ich auf meinem zugegebenermaßen zähen Abstieg eine Steintreppe, die beim Aufstieg noch nicht da war – ich habe aufgehört sowas zu hinterfragen. Die Treppe war mir wirklich herzlich willkommen. Runter vom Berg – ich war natürlich nicht wieder in Kadaladi, sondern irgendwo anders angekommen – bin ich noch etwas weiter einen Weg entlang gelaufen, bis ich einem Rikscha-Fahrer begegnete, der mich zu einer Bushaltestelle fahren konnte. Dann noch eine Busfahrt über Polur nach Chennai und ich war wieder Daheim! Das war ohne Scheiß ein waschechtes Abenteuer.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. JD sagt:

    Wie haben deine Füße wohl nach diesem Abenteuer ausgesehen?

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    1. Simon sagt:

      Es ging echt, ich bin mega langsam runter, weils auch geregnet hat und ich wirklich nicht abrutschen wollte. An den Sohlen hab ichs aber 3 Tage gespürt, war ne ordentliche Reflexzonenmassage 😀

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